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Placebo: (lat. »ich werde gefallen«): als Medikament verabreichte Substanz ohne wirksame Inhaltsstoffe.

     Da bei körperlichen Störungen aller Art häufig eine Besserung empfunden wird, wenn ihr Träger glaubt, etwas gegen diese Störung unternommen zu haben, oder eine spontane Heilung dieser Maßnahme zuzuschreiben geneigt ist, ist zur Feststellung der tatsächlichen Wirkungen noch unerprobter Medikamente der Vergleich zweier parallelisierter größerer Stichproben von Patienten nötig, welche entweder das zu erprobende Medikament erhalten oder durch ein ~ getäuscht werden; der statistische Vergleich beider Ergebnisse ermöglicht die Abschätzung des Zufallsanteils, d.h. der Wahrscheinlichkeit, mit welcher das neue Medikament Besserungen oder Heilungen tatsächlich bewirkt hat. 
      Um ~-Effekte bei der Wirksamkeitsbeurteilung verabreichter Stoffe ausschließen zu können, ist es nicht nur nötig, daß die Versuchspersonen nicht wissen, ob sie diesen Stoff oder ein ~ verabreicht bekamen (»Blindversuch«), sondern auch, daß die Personen, welche das Experiment durchführen und auswerten, darüber in Unkenntnis bleiben (»Doppelblindversuch«; sie verabreichen also nur mit »A« oder »B« markierte Präparate, deren Wesen eine Leitung kennt, mit der sie nicht direkt kommunizieren): So wird verhindert, daß 
     a) die Versuchspersonen am Verhalten der Leiter erraten können, ob sie ein ~ erhalten oder nicht 
     b) die Auswirkung der Ergebnisse nicht von Erwartungen beeinflußt wird. 

Der ~-Effekt war auch schon im Spätmittelalter bekannt: Skeptiker hatten bemerkt, daß die Symptome »Besessener« bei der Berührung mit falschen Reliquien (oder leeren Reliquienkästchen) genauso zurückgingen wie mit »echten«, solange erstere von den »Besessenen« für »echt« gehalten wurden. (Die berühmtesten Versuche dieser Art stellten reiche Engländer an den in die »Besessenheit« getriebenen Nonnen von Loudun an.)
    Um die breite Medizinversorgung gegenüber deren Optimum in den 1980er Jahren Mittel- und Westeuropas zu verschlechtern, was durch Senkung der durchschnittlichen Lebenszeit erhebliche zuvor in Renten gebundene Gelder für andere staatliche Zwecke verwertbar macht (Soldaten, Polizisten, Partei- und Suggestionsapparate), machen viele Propagandisten der Billigmedizin aus der Not eine Tugend und leiten aus den Suggestionswirkungen von ~s, welche die Bewertung des eigenen Leidens häufig im Sinne von dessen Bagatellisierung beeinflussen, die Berechtigung ab, ihnen einen therapeutischen Wert zuzuschreiben, der mit demjenigen der teuren, erwiesenermaßen objektiv wirksamen Behandlung konkurrieren könne. (Sie fördern daher auch ausgedehnte »Arztgespräche« statt aufwendiger, doch verläßlicher diagnostischer oder therapeutischer Maßnahmen.) Allerdings hat sich eine objektive Wirkung solcher subjektiver Maßnahmen, d.h. Täuschungen, nie über das Maß der auch ansonsten eintretenden Spontanheilungen hinaus belegen lassen, so wenig wie eine solche »homöopathischer«, d.h. fast oder völlig wirkstoffloser Medikamente; keines davon hat je einem ~-Versuch standgehalten.
     Die subjektive Wirkung von ~s und anderen Täuschungen auf Krankheitssymptome läßt sich daraus erklären, daß Schmerz- und Übelkeitswahrnehmung einerseits, deren Bewertung andererseits von unterschiedlichen Hirnarealen geleistet werden.


 
 
 

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