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Projektion
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Projektion: (von lat. proịcere, wörtl. »nach vorn werfen«, hier »auf etwas werfen bzw. schieben«):


     1) von Freud geprägter Ausdruck für einen unbewußten (d.h. vom Vollzieher nicht wahrnehmbaren) psychischen Vorgang, der darin besteht, daß verdrängte, d.h. nach oder mit deren Unterdrückung der Wahrnehmung entzogene und seither abgestrittene (»verleugnete«) eigene Wünsche oder verwandte Wahrnehmungen, z.B. verbotene Ichleistungen, in anderen wahrgenommen und dort bekämpft werden. Jede ~ ist also stets mit Aggression gegen jene Person(en) verbunden, auf welche die verdrängten eigenen Wünsche (oder Ichleistungen, z.B. ideologieschädigende Einsichten, etwa »Unglauben«) projiziert werden bzw. worden sind. Sowohl die christlichen wie die sie wiederbelebenden Hitler'schen Judenverfolgungen, der sog. Hexenwahn, die Ketzerverfolgungen des Mittelalters oder die Sektenverfolgungen unserer Gegenwart sind, unbeschadet ihrer gesellschaftlich-politischen Instrumentalität, als massenwirksame und massengestützte Vorgänge nur durch den Vorgang der ~ zu verstehen, welcher von den Machthabern gefördert oder induziert wird, ebenso zahlreiche analoge. Ihre individuelle Entsprechung ist gewöhnlich der (bösartige) Klatsch: »Wie konnte ich so tapfer schmählen [=schmähen, schimpfen]/Sah ich ein armes Mägdlein fehlen [=sich verfehlen, d.h. an den Folgen freiwilligen, aber gesellschaftlich verfolgten Geschlechtsverkehrs Schaden nehmen]« (Gretchen in »Faust I«).
     Die Aggression, mit der die »Ziele« bzw. personellen Haftpunkte der ~ von deren Vollziehern verfolgt werden, entspricht der Aggression, die ihr Überich gegen deren Ich mit der anhaltenden Folge der Verdrängung ausgeübt hat bzw. ausübt. Das bedeutet, daß die entsprechende Aggression niemals aufhören kann, auch dann nicht, wenn ihre durch ~ zu ihren Zielen gewordenen Objekte vernichtet worden sind, da ihre individuelle Ursache ja fortbesteht. Die ~ sucht sich und findet dann neue Ziele. Sie kann nur aufhören, wenn die zugrundeliegenden Wünsche bzw. Wahrnehmungen oder sonstigen Ichleistungen bewußt geworden, also nicht mehr verdrängt und somit als Ichbestandteil erkannt worden sind.
     Die den Vorgang der ~ bewußt begleitende Emotion ist Haß, nicht Neid, da dann der verdrängte Wunsch, welcher auf andere projiziert worden ist, ja zugegeben würde; er muß unter dem Druck des Überichs aber der Wahrnehmung entzogen bleiben und dieser Wahrnehmungsentzug gewöhnlich durch Reaktionsbildungen gesichert werden. Das ändert nichts daran, daß der ~sbedingte Haß sich mit Neid vergesellschaften kann (e.g. »die reichen Juden!«, auch wenn viele davon ziemlich arm sind, beim Antisemiten, »die Scientologen/Freimaurer, die sich gegenseitig die guten Posten zuschanzen« beim fdGO- oder Kaisertreuen, usw.), welcher aber zumeist auf Seitenaspekte verschoben wird. Bewußter Neid kann sich günstigstenfalls, d.h. wenn nicht vom Überich gefördert und dann gewöhnlich mit ~ amalgamiert, in Trauer auflösen, projektionsbedingter Haß bleibt unverändert intensiv, auch wenn er durch gesellschaftlich organisierten Zwang seinerseits verleugnet werden kann. Das vielleicht größte Verdienst des historischen Surrealismus war die – bei seinen begabten Aktivisten meist erfolgreiche – Bekämpfung der ~ durch Bewußtmachung der eigenen Wünsche mittels écriture automatique und ähnlichen Verfahren. (»Wir werden dem Feind immer als Erste die Hand reichen.«) Dies hauptsächlich erklärt die den Surrealisten in ihrer Glanzzeit entgegenschlagende Feindseligkeit (d.h. lenkte die ~ auf sie selber), welche heute noch in der Standardbiographie Bretons (durch Polizotti) darstellungsprägend zu spüren ist und gegenüber den Dadaisten entweder fehlte oder erheblich milder ausfiel, da deren Negativismus Vorstöße bis zur Grundlage der ~ vereitelte.

     2) Die Abbildung einer Fläche oder eines Körpers auf einer anderen Fläche.
Die ~ einer in einer Ebene befindlichen Fläche auf eine andere ebensolche kann sowohl winkelgenau wie proportionsgenau sein (und zur Vergrößerung oder Verkleinerung führen). Sie kann dies aber nicht (sondern nur eines davon), wenn mindestens eine der beiden Flächen gekrümmt ist, z.B. eine Kugeloberfläche ist1. Deshalb ist das Problem der unverzerrten Abbildung einer Kugeloberfläche, in der Praxis insbesondere unserer Erdoberfläche, auf einer zweidimensionalen Fläche (»Landkarte«) unlösbar; entweder stimmen die Proportionen der Strecken (und daher auch der von ihnen begrenzten Flächen) nicht überein oder die Winkel, in denen sie an jeder Stelle zueinander stehen. Die gebräuchlichste Lösung zur Abbildung unserer Planetenoberfläche auf einer nirgends gebogenen Fläche ist die Mercator~. Ihre Verzerrungen bewirken die massive Vergrößerung polnaher Flächen (wobei die Punkte der Pole selber zu Strecken werden, welche die ganze Breite der »Karte« einnehmen). Versuche ihres Ersatzes durch flächengleiche ~ sind, abgesehen von Sonderanwendungen, aufgrund der von diesen erzwungenen andersartigen Verzerrungen schnell wieder aufgegeben worden.

1 Eine Ausnahme liegt bei geometrisch ähnlichen, sich also nur durch ihre Größe unterscheidenden gekrümmten Flächen vor, was z.B. bei der ~ einer Kugeloberfläche auf eine andere Kugeloberfläche (wie etwa beim Globus) der Fall ist.


 
 
 

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