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natürliches Gleichgewicht:

die zunächst erstaunliche Tatsache, daß die Populationsgröße der Arten von Lebewesen normalerweise nicht durch Massensterben geregelt wird, sondern bei konstanten Umweltbedingungen beliebig lange konstant bleibt.

     Da alle Arten von Lebewesen bei ihrer Fortpflanzung einen (je nach Art prozentual unterschiedlich groβen) Überschuβ an Nachkommen produzieren, wäre zu erwarten, daβ Jäger ihre Beutetiere, Pflanzenfresser ihre Futterpflanzen usw. durch ihre Vermehrung zunehmend dezimieren, bis ihre eigene Population aus Nahrungsmangel zusammenbricht und die dezimierte Population sich wieder erholen kann, worauf der Prozeβ von vorne beginnt. Dies ist jedoch nur ausnahmsweise zu beobachten, weshalb romantisch veranlagte Betrachter ein »Harmoniestreben« in die Natur hineinsehen wollen, d.h. eine »metaphysische« Erklärung des ~s ersinnen.

     Der wahre Grund für das ~ liegt indessen gerade in der Schärfe der Konkurrenz der Individuen um die Ressourcen, und zwar deren innerartlicher Konkurrenz. Weil die Ressourcen (als Nahrung genutzte Lebewesen, Photonen, Kohlendioxyd und andere abiotische Rohstoffe, Raum) begrenzt sind, werden diejenigen Individuen durchschnittlich mehr Nachkommen hinterlassen (bei gleicher Paarungsrate und Partnerqualität), welche sich diese am besten beschaffen konnten. (Diese werden auch bei vielen Arten als Paarungspartner bevorzugt, sei es aufgrund ihres Aussehens – sie sind seltener kümmerlich bzw. krank –, sei es aufgrund ihrer Durchsetzungsfähigkeit gegen Rivalen. Bei Pflanzen wirkt eine gröβere Produktion von Geschlechtszellen [z.B. in Blüten] analog.) Aus diesem Grunde werden Individuen, deren Nachkommenzahl unter einer gewissen Gröβe bleibt, in der Folgegeneration mehr Nachkommen hinterlassen als solche, welche diese Gröβe überschreiten, da diese durch ihre besseren Produktions- und Aufzuchtbedingungen durchschnittlich konkurrenzfähiger werden. Analoges gilt auch für Beutetiere und Pflanzen: es »lohnt« mehr, sie wendiger, feinhöriger, mit dickerem Panzer, mehr Dornen, Gift usw. auszustatten als in gröβerer Zahl herzustellen. Nur unterhalb einer gewissen Zahl (und sexuellen Risikobereitschaft, welche ihrerseits die individuelle Lebenserwartung senkt, da jede Paarung und Partnersuche das Lebensrisiko heraufsetzt) kehrt sich dieses Verhältnis um; diese Zahl wird von der arteigenen Lebensweise in der gegebenen Umgebung bestimmt. Das ~ ist die langfristige Folge der Wirkung dieser Mechanik bei Fressern wie Gefressenen (einschlieβlich der »autotrophen«, d.h. sich abiotisch ernährenden Lebewesen, also »Primärproduzenten«, da diese untereinander nicht weniger konkurrieren als die »heterotrophen«). Es wird »gestört« durch von auβen kommende Arten, wenn diese zu den örtlich vorhandenen konkurrenzfähig sind.

     Die systematische Untersuchung der Nutzung von Lebewesen und unbelebten Stoffen durch Lebewesen als Selbsterhaltungsmittel sowie deren Folgen auf die jeweiligen Populationsgröβen heiβt »Ökologie« (wörtlich »Hauswirtschaftskunde«; οἶκος hieβ im ältesten Griechenland der Groβbauernhof als selbstversorgende Wirtschaftseinheit). Dieses Wort wird in neuerer Zeit (seit ca. 1990) als ideologisches Schlagwort auf dem Hintergrund einer harmonistischen Naturphantasie eingesetzt.

 


 
 
 

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