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Geld: genormter Wertträger für den Einsatz im allgemeinen Warenverkehr.
Die Urform des Geldes ist ein Stück Edelmetall von normiertem Gewicht und Gehalt, die Münze; für die Erfüllung der Normen bürgt der Ausgeber der Münze, gewöhnlich ein Staat, durch deren Prägung und erspart dadurch deren Nutzern das Nachwägen und die Feinheitsprüfung. Andererseits setzt er sich selber der Versuchung aus, durch Betrug Gewinn zu erzielen; viele Staaten und fast alle Fürsten und Militärherrscher, besonders die spätrömischen Kaiser, erlagen ihr.
      Auf ausgegebene bzw. deponierte Edelmetallmengen, aber auch anderen Besitz wie Grundstücke, Industrieanlagen oder Rohstofflager, lassen sich Schuldscheine ausstellen; auch diese lassen sich bei entsprechender Normierung und aliquoter Stückelung als ~ gebrauchen. Werden sie von einer Bank (gewöhnlich einer Staatsbank) ausgegeben, heißen sie Banknoten, welche den ~transport sehr erleichtern; der Besitz, auf den sie als anteilige Schuldscheine ausgestellt werden, heißt Deckung des ~es. Da sie aus Papier bestehen, sind sie Papier~; aus Gründen der Tradition können kleine aliquote Teile (meist Hundertstel, Fünfzigstel, Zwanzigstel, Zehntel und Fünftel) der kleinsten kursierenden Banknoten (und manchmal auch praktischen Gründen) in Münzform ausgegeben werden; diese Münzen sind dann keine (oder, wie bei den alten 5-DM-Stücken der deutschen Nachkriegszeit, welche Silber enthielten, keine vollwertigen) primären Wertträger mehr, im Gegensatz zu den vollwertigen Goldmünzen, in unserer Zeit etwa dem Krügerrand, Maple Leaf oder Vreneli. Das unmittelbare Problem des Papiergeldes, das bei den ersten Versuchen seiner Ausgabe auch eine erhebliche Rolle spielte, war dessen Fälschungssicherheit; dieses Problem ist technisch längst gelöst. Tatsächlich gehören trotz der erheblichen Schürung einer Falschgeldhysterie seit der Euronoten-Ausgabe Banknotenfälschungen (»Blüten«) der Vergangenheit an; es ist noch nie gelungen, einen primären Augenzeugen aufzutreiben, der beobachten konnte, wie einer der zahlreichen an den Ladenkassen demonstrativ aufgestellten Falschgeld-Detektoren eine reale »Blüte« enttarnen konnte. Nach dem Gesetz des asymmetrischen Wachstums der technischen Möglichkeiten des Staates einerseits, Privater andererseits ist dies auch so zu erwarten gewesen.
     Dagegen ergibt sich durch mangelnde Deckung das Problem der Inflation, d.h. der Wertminderung des ~es. Da erfahrungsgemäß nur ein Teil der Einleger, hier also der Besitzer von Banknoten, ihre Schuld gleichzeitig einfordern, können Banknoten ohne Schaden für ihre Besitzer in mehrfacher Deckungshöhe ausgegeben werden, solange die Rückzahlung an die aktuellen Rückzahlungsforderer problemlos verläuft; der darin enthaltenen Versuchung, noch weitere Banknoten auszugeben (oder die kursierenden bei Deckungsschwund nicht entsprechend zu vernichten), haben nur wenige Staatsapparate widerstehen können, am längsten und konsequentesten das frühindustrielle England.
     ~ ist eine Erfindung der ionischen Stadtstaaten des 7. Jhds. v.d.Ztr., besonders Milets; sie wurde sehr rasch von allen Mittelmeerstaaten, bald noch weiteren Kulturstaaten nachgeahmt, sogar von einigen vorstaatlichen Stammesgesellschaften wie etlichen keltischen. Die Ausgabe von Papiergeld geschah mehrfach sowohl im europäischen Hochmittelalter wie im etwa zeitgleichen kaiserlichen China; sie wurde anfänglich öfters wegen rasch einsetzender Inflation wieder aufgegeben. Der Ersatz des ~es durch von den Banken kontrollierte elektronische Datenträger scheint von den Machthabern geplant zu sein und beseitigt durch seine bisher geschichtlich beispiellosen fiskalischen und sonstigen Überwachungsmöglichkeiten die wohl praktisch wichtigste Schwelle zum Totalitarismus. Aus den entgegengesetzten Gründen bezeichneten Marx und Engels das ~ als den zentralen Hebel zur Herstellung von neuzeitlicher Freiheit und Zerstörung des Feudalismus, »den großen Gleichmacher« (»leveller«) der Gesellschaft (MEW XXIII 146).


 
 
 

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