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Geldumlauf-
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Geldumlauf­geschwindigkeit: Durch­schnittliche Häufigkeit mit der eine Geldeinheit innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts den Eigentümer wechselt.


In Gesellschaften, in denen Waren zirkulieren und dabei Geld als »unspezifische Ware« als allgemeines Tauschäquivalent dient, sollte die Preissumme aller innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts verkauften Waren der zirkulierenden Geldmenge, multipliziert mit der während dieses Zeitabschnitts gegebenen durchschnittlichen Umlaufgeschwindigkeit einer Geldeinheit, entsprechen.
     Dies läßt sich veranschaulichen, wenn man sich eine gegebene Anzahl zusammenhangloser zeitlich oder räumlich nebeneinander ablaufender Verkäufe vorstellt (z.B. eine Schachtel Zigaretten, eine Bibel, zwei Päckchen Haushaltskerzen und ein Fläschchen Glitzernagelack zu je 5,- €). Dann beträgt die benötigte Geldmenge, um alle Käufe zu tätigen, 20,- €. Verlaufen die Verkäufe jedoch zeitlich nacheinander, z. B. innerhalb eines Tages, ab und ist der Verkäufer der Zigaretten gleichzeitig der Käufer der Bibel und so fort, so beträgt, bei einer hierdurch entstandenen ~ von vier, die benötigte Geldmenge, um alle Käufe zu tätigen, nur 5,-€.


Es gilt somit allgemein der Zusammenhang:

 

            Preissumme der Waren                =
Umschlagshäufigkeit einer Geldeinheit
Masse des als Zirkulationsmittel
funktionierenden Geldes

 

Natürlich treten in einem Währungsgebiet während eines bestimmten Zeitabschnitts viele voneinander unabhängige Verkäufe auf, wobei eine bestimmte Geldeinheit nur einmal den Eigentümer wechselt, jedoch treten auch viele ineinander verschlungene Käufe bzw. Verkäufe auf, so daß eine bestimmte Geldeinheit mehr oder minder zahlreiche Umläufe zurücklegt. Aus der Summe aller Umläufe der sich in Zirkulation befindlichen Geldeinheiten ergibt sich dann die durchschnittliche Umlaufgeschwindigkeit einer Geldeinheit oder die Durchschnittsgeschwindigkeit des Geldumlaufs.
     In Gesellschaften, in denen Schulden verbrieft werden können, muß der Geldumlauf, neben dem Äquivalent für zirkulierende Waren, noch eine zusätzliche Funktion erfüllen: er muß den Gegenwert aller Schuldforderungen abzüglich der sich gegenseitig neutralisierenden Schuldforderungen bilden. So dient dieselbe Banknote z.B. zum Kauf einer Ware und zur Abzahlung eines Bankkredits zu welchem Zweck auch immer aufgenommen.
     Aus diesem Sachverhalt wird ersichtlich, daß die Geldumlaufgeschwindigkeit regelmäßig am ersten eines Monats und kurz davor normalerweise höher ist als im Verlauf des restlichen Monats, da Löhne, Mieten und Kreditraten gewohnheitsmäßig zum Ende eines Monats fällig sind.
     Dieses Gesetz wird in der politischen Ökonomie auch als Quantitätsgleichung bezeichnet. Als Näherungswert für die getätigten Verkäufe und fällig werdenden Schuldforderungen werden konventionellerweise die während eines Jahres produzierten Waren und getätigten Dienstleistungen herangezogen – also gewöhnlich das Bruttoinlandsprodukt.

Zur Darstellung des Zusammenhangs ist in den gängigen Handbüchern die Formel beliebt:

p x Y = M x U

wobei p = gewichteter Preisdurchschnitt, Y = Bruttoinlandsprodukt, M = Geldmenge, U = Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bedeutet.

Über die ~ als Wirtschaftsfaktor existierten bes. im 19. Jahrhundert die abenteuerlichsten Phantasien. So glaubte und propagierte der berühmte Romancier Balsac beispielsweise, mit jedem Geldumschlag erhöhe sich die nationale Geldmenge, weswegen der Geldumlauf zu beschleunigen und Hortung eine Art Verbrechen sei (in: »Der Landpfarrer«). (Tatsächlich steigert bei sonst gleichen Bedingungen die Erhöhung der ~ nur die jährlichen Gewinne der Kapitalbesitzer, weil sie den Umschlagszyklus verkürzt.) Auch heute noch krallen sich mit ähnlichen Überlegungen viele »Volkswirtschaftler« an dieser phantastischen Überschätzung der ~ als gesamtökonomischem Faktor fest; der tiefere Sinn dieser propagierten Überschätzung ist das Bestreben, durch Sparsamkeit entstehende Zwergkapitalien in Kleinbürgershand zu verhüten, um keinen noch so schwachen individuellen Damm gegen die Erpreßbarkeit durch das mittlerweile fast allmächtige Monopolkapital entstehen zu lassen. S. a. Konsumgesellschaft.



 
 
 

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